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> Vererbbarer Dickdarmkrebs (HNPCC) <


Stammbaum einer
HNPCC-Familie (anklicken)
mehr Bild: K. Heinimann
In Familien mit genetischer Veranlagung für Dickdarmkrebs (HNPCC-Familien) treten Tumore meistens schon im Alter von 30-50 Jahren auf. Wie beim sporadischen Dickdarmkrebs bilden sich zuerst Adenome, die sich dann aber sehr häufig in bösartige Karzinome umwandeln.

Vor einigen Jahren gelang es, die verantwortlichen Gene zu identifizieren und mittlerweile konnten hunderte von betroffenen Familien gefunden werden, die Mutationen in diesen Genen tragen. Die Gene sind verantwortlich für die Bildung von Reparaturproteinen, die im Normalfall Fehler in der DNA reparieren, welche beim Kopieren der DNA im Verlauf der normalen Zellteilung entstehen können. Solche Fehler treten auf, wenn falsche, nicht-komplementäre Basen in die DNA eingebaut werden. Man bezeichnet diese Fehler auch als base/base mismatches (deutsch: ‚Basen/Basen-Fehleinpassungen'). Der Prozess, der die falsch eingepassten Basen wieder entfernt und durch richtige ersetzt, nennt man Mismatch Repair (MMR) (deutsch: ‚Fehleinpassungsreparatur').

Wenn Mutationen in den MMR-Genen vorliegen, die für das korrekt funktionierende Reparatursystem verantwortlich sind, sind die gebildeten Proteine nicht mehr in der Lage ihre Reparaturfunktion auszuüben. Es sammeln sich immer mehr Fehler in der DNA an und die Gefahr, dass eine Mutation in einem Tumorsuppressor- oder Onkogen auftritt, steigt stark an. Wenn eine Mutation eintritt, entartet die betroffene Zelle und es bildet sich ein Tumor. Weil Träger ihre mutierten Gene an die Nachkommen weitergeben, ist diese Krebsform vererbbar und führt in den entsprechenden Familien zur Veranlagung, früh an Dickdarm- und anderen Krebsarten, wie z.B. Gebärmutterschleimhautkrebs, zu erkranken.

Wie kann man eine Veranlagung feststellen?

Unsere Körperzellen enthalten jeweils zwei Kopien eines Gens (Allele), eine von der Mutter und eine vom Vater vererbte Kopie. Bei der Fortpflanzung wird von jedem Elternteil jeweils nur ein Allel weitergegeben. Die genetische Veranlagung zu Dickdarmkrebs (HNPCC) wird von einem Elternteil mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% vererbt, da entweder das gesunde oder das mutierte Allel weitergegeben wird. Sobald das mutierte Allel an die Nachkommen vererbt wird, besitzt der Empfänger die Veranlagung zu Dickdarmkrebs. Nachkommen, die von einem Elternteil ein gesundes Gen und vom anderen ein mutiertes Gen erhalten haben, werden als heterozygote (mischerbige) Mutationsträger bezeichnet. Wegen der dominanten Wirkung des mutierten Allels besitzen sie damit die Veranlagung zu Dickdarmkrebs. Rund 80% der heterozygoten Mutationsträger erkranken bis im Alter von 70 Jahren an Dickdarm- oder Gebärmutterschleimhautkrebs. Analysiert man die Tumore dieser Patienten, so stellt man fest, dass die Tumorzellen das mutierte Allel tragen und meistens das normale Allel durch Rekombinationsprozesse verloren haben.

Wann besteht der Verdacht, dass ein Dickdarmkrebs oder ein Krebs der Gebärmutterschleimhaut vererbt ist?

Ein Verdacht besteht, wenn:

• in der Familie mehrer Krebsfälle aufgetreten sind
• die Erkrankungen frühzeitig auftreten
• bei einer Person mehrere Krebserkrankungen auftreten
• auch andere Krebsarten auftreten, wie z.B. Magen-, Eileiter-, Hirn-, Darm-, Gallen- oder Hautkrebs

Man hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele der Familien, in denen der Dickdarmkrebs vererbt wird, zu finden und deren Nachkommen auf ihre Krebsanfälligkeit hin zu untersuchen. Die betroffenen Personen werden in ein Präventionsprogramm aufgenommen. Dadurch soll ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, gesenkt werden.
 

Einführung Dickdarmkrebs
Wie entsteht Dickdarmkrebs und welche Formen gibt es?

DNA-Reparatursysteme
Wie Proteine falsch kopierte DNA reparieren.

Genomik und Proteomik bei der Erforschung von Dickdarmkrebs
Wofür werden Genomik und Proteomik bei der Erforschung des Dickdarmkrebs eingesetzt?

Projekt Dickdarmkrebs
Dickdarmkrebs kann genetisch vererbt werden. Wie die Gruppe von Prof. Jiricny die Erkrankung mittels genomischer und proteomischer Analysen erforscht.
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